Puhhh geschafft. Es ist gar nicht so einfach, 4 Familienväter auf einen Termin zu bringen, um endlich mal gemeinsam ein verlängertes Wochenende in Schnee zu verbringen. Neben dem Ski- bzw. Snowboardfahren stand diesmal auch eine Ski-Tour an. Da einige von uns noch nicht so viel Erfahrung im Touren gehen haben, wollten wir unsere Tour sorgfältig planen.
Zuerst haben wir erst mal unser Equipment gecheckt:
- Sind die geliehenen Tourenski in Ordnung? Ist die Bindung richtig eingestellt?
- Sind die Felle passend und kleben gut?
- Haben alle Stöcke die richtigen Tourenteller?
Die Snowboardfahrer unter uns benutzten für den Aufstieg Schneeschuhe und befestigten das Board am Rucksack.
- Lässt sich das Board gut am Rucksack befestigen, rutscht es beim Gehen nicht eventuell herunter?
- Lassen sich bei der Abfahrt die Schneeschuhe und Stöcke sicher am Rucksack befestigen?
Lawinenausrüstung
Sehr viel Wert haben wir auf unsere Lawinenausrüstung gelegt. Jeder von uns hatte aus dem Verleih ein LVS Gerät sowie Sonde und Schaufel. Nach dem Batterie-Check haben wir uns erst mal mit den Geräten und deren Funktionsweise vertraut gemacht. Dabei haben wir uns nicht den Spaß nehmen lassen im benachbarten Feld unserer Pension ein Pieps Gerät und ein leckeres Bierchen zu verstecken. Wer findet es am schnellsten?
Einer aus unserer Runde hat sich sogar einen ABS-Lawinenrucksack zugelegt. Sicher ist sicher, dachte er.
Bei diesem kleinen Spaß haben wir bemerkt, das es gar nicht einfach ist, eine richtige und punktgenaue Ortung vorzunehmen, wenn man nur sporadisch oder doch selten mit den LVS-Geräten zu tun hat. Immerhin: kommt es auf einer Tour zum tatsächlichen Einsatz, ist der Stressfaktor enorm und die kurze Zeit, die zur Rettung bleibt, vergeht verdammt schnell.
Fakt:
Nach einem gemütlichen Abendessen haben wir uns dann mit dem aktuellen Lawinenlagebericht, der Tourenkarte und den Wetteraussichten für den nächsten Tag beschäftigt.
Lawinenlageberichte
Tipp:
Beim deutschen Alpenverein gibt es eine sehr gute Übersicht, über die verschiedenen Lawinenlageberichte sowie der Wetterentwicklung in den Alpen. Ein örtlicher Wetterbericht sollte zusätzlich immer noch hinzu gezogen werden.
Wenn möglich, ist es sinnvoll, sich im Vorfeld auch über den Lawinenlagebericht der vergangenen Tage zu informieren. So erhält man ein zusammenhängendes Bild und kann die allgemeine Schnee-Situation besser einschätzen.
Die Gefahrenskala für unser Gebiet lag derzeit bei Stufe 2 mit Tendenz steigend. Der Wetterbericht für den kommenden Tag versprach ebenfalls nichts Gutes: gegen Mittag aufkommende Schlechtwetterfront mit starken Winden und weiteren Schneefällen. Nicht gut.
Wir entschlossen uns dennoch, uns auf die morgige Tour einzustimmen und die Situation am nächsten Morgen noch mal neu zu bewerten.
Risikomanagement
Am nächsten Morgen wollten wir dem Wetterbericht keinen Glauben schenken. Wolkenloser Himmel und ziemlich frostig. Also – der Berg rief.
Direkt vor dem Tourstart haben wir gegenseitig unsere LVS-Geräte geprüft. Eine ganz wichtige Maßnahme, denn ein nicht oder falsch eingeschaltetes LVS-Gerät kann fatale Folgen haben.
Oben am Zwischenziel angekommen – wir standen auf einem kleinen Bergrücken – hatten wir eine wunderbare Aussicht auf die umliegende, eisige Bergwelt. Mit Blick in die Schweiz – und was wir dort sahen, war alles andere als wünschenswert. Tiefschwarz rollte die Schlechtwetterfront an. Der aufkommende Wind und die ersten Wolken waren die Vorboten.
Was nun? Wir brauchten eigentlich gar nicht lange zu überlegen – allen war klar, dass die Fortführung der Tour absolut lebensgefährlich werden konnte. (Fast) nichts Schlimmeres als im Schneetreiben zu stehen und auf einer Tour eingeschränkte bis keine Sicht mehr zu haben. Da wir alle keine erfahrenen Tourenprofis sind, hieß es bedauerlicherweise umkehren. Das Wetter ist nun mal leider nicht planbar. Auf der Abfahrt konnten wir noch ein wenig den Tiefschnee genießen und verbrachten noch einige Stunden im nahegelegenen Ski-Gebiet.
Hier konnten wir noch die ein oder andere Ski-Route abfahren. Da diese teilweise durch freies Gelände führten, waren wir froh, unsere Lawinenausrüstung dabei zu haben.
Lawinen: kalkulierbares Risiko – oder unterschätzte Naturgewalt
Ein jüngster Lawinenvorfall beweist leider immer noch, dass die Lawinensituation in den Bergen oft unterschätzt wird. Oder warum sieht man bei Lawinenstufe 4 (!) immer noch Leute, die abseits der Pisten unterwegs sind (gesehen z.B. im Montafon zur Jahreswende 2011/2012)?
Denken viele Leute etwa, jetzt, wo sie mit vollständiger Lawinenausrüstung unterwegs sind und einen Lawinenairbag auf dem Rücken tragen, können sie unbedarft ins Gelände? Man könnte es manchmal meinen… Durch die Industrie wird immer häufiger mit sensationellen Powder-Videos die Illusion geschaffen, gigantische Powder-Runs sind easy. Das dazu eine gewaltige Vorbereitung gehört und die Rider absolute Profis sind, tritt dabei eher in den Hintergrund.
Natürlich ist jeder für sein eigenes Risiko verantwortlich, doch ist das Risiko tatsächlich immer bewusst?!
Vorraussetzung für Lawinen
Selbst im Ski-Gebiet abseits der Pisten können die Schneeverhältnisse ganz anders aussehen. Bei ungünstigen Verhältnissen ist ein Schneebrett schnell ausgelöst und wird zur tödlichen Falle.
Ich glaube, so fast jeder Wintersportler wünscht sich das Fahren in unberührten Powderhängen – das Gefühl dafür ist eigentlich unbeschreiblich – doch eins sollte dabei immer im Hinterkopf bleiben: wir können uns vor Lawinen schützen – sie aber nicht verhindern. Das Risiko lässt sich immer besser kalkulieren, aber eben doch nicht vorhersagen.
Ausführliche Informationen zum Risikomanagement sowie eine gute Beschreibung der Vorgehensweise bei der Suche von Verschütteten findet ihr z.B. hier.
Ein weiteres beeindruckendes Lawinenvideo habe ich hier gefunden, ein zweites – mit Helmkamera – hier.
Titelbild by © Rainer Sturm / PIXELIO / pixelio.de









